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• Thurgauerzeitung vom 25.07.2005:
     
 

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Kohle - Köhler - Köhlerei - Kohlenmeiler

Bis vor wenigen Jahrzehnten waren die Gebirgswälder weitgehend unerschlossen. Eine Stammholznutzung war daher nicht möglich. Die Köhlerei bot die Möglichkeit, die Heiz-kraft des Holzes beinahe voll zu nutzen.Das Holz-Volumen wird auf etwa 30, das Holz-Gewicht auf 10 Prozent reduziert.

Der Weltholzbestand beläuft sich auf 330‘000‘000‘000 Kubikmeter. Pro Jahr werden 2.8 Milliarden Kubikmeter Holz geschlagen, 7 bis 9 Milliarden Kubikmeter wachsen nach. In Europa wird wenig Holz als Brennstoff verwendet. In andern Ländern (Tansania) werden bis zu 98 Prozent (!) des Holzes verheizt.
Die Holzverkohlung ergibt als Rohprodukte Holzgas, Holzkohle, Holzessig, Holzteer, etc.. Als Endprodukte sind zu nennen Aktivkohle, Methanol, Essigsäure, Teeröle und Holzpeche.

Wird luftgetrocknetes Holz in einem geschlossenen Raum ohne Luftzutritt auf über 100° Celsius erhitzt, beginnen chemische Zersetzungsreaktionen. Bis 170° C wird das Wasser ausgetrieben. Bei etwa 380° C entstehen die grössten Mengen der flüssigen und gasförmigen Zersetzungsprodukte. Einer der Rückstände (35 %) ist Holzkohle. Vom Wärmeinhalt des Holzes gehen bei der Verkohlung etwa 10 % verloren. Verkohlt werden können alle Holzarten, bevorzugt wird aber Buche.

Holzkohle ist ein Gemisch organischer Verbindungen mit etwa 80 % Kohlenstoff, 3 % Wasserstoff, 6 % Sauerstoff, 1 % Stickstoff, 6 % Feuchtigkeit und 2 % Asche.

Holzkohle brennt schon bei 200 bis 250° Celsius ohne Flamme, weil die flammenbilden-den Gase bereits bei der Verkohlung entwichen sind. Holzkohle findet vielfache Verwen-dung, da sie schwefelfrei ist. So wird sie in Hochöfen und beim Grillieren genutzt. Sie wurde gemahlen zum Schleifen und Polieren verwendet und war Bestandteil von Schiess-pulver. Ihre Asche wurde zu Seifenlauge für die Garnwäsche weiterverarbeitet.

Die Holzverkohlung ist so alt wie die Nutzbarmachung der Erze durch den Menschen. Mit dem Bergbau ist zugleich die Köhlerei betrieben worden. Das Kohlenbrennen galt als Gewerbe und der Köhler als Handwerker. Die Köhlerei war allen anderen Handwerken untergeordnet und der Köhler galt seit jeher als Inbegriff des armen Mannes.

Verbrannte sein Meiler oder entstand ein Waldbrand, war er zur Leistung des vollen Schadenersatzes verpflichtet.
Die Meilerverkohlung ist die klassische und schwierigste Form der Holzverkohlung. Der Bau eines Meilers (für 120 Ster Holz rechnet der Köhler mit 1000 Arbeitsstunden) und die Überwachung des Brandes erfordern viel Erfahrung und Geduld. Sowohl Ausbeute als auch Qualität der Kohle sind von der Kunst des Köhlers abhängig.

Für den Aufbau eines Meilers gibt es unterschiedliche Methoden, es existieren keine allgemein gültigen Re-geln. Der Köhler achtet darauf, dass nicht mehr Holz verbrennt, als erforderlich ist, um die gsamte Holzmasse auf die Verkohlungstemperatur zu erhitzen. Im Wesentlichen sollen nur die aus dem Holz entweichenden Gase und Dämpfe verbrennen. Der Meiler brennt von oben nach unten und von innen nach aussen. Wenn nach etwa 14 Tagen bläulicher Rauch aus dem Meiler aufsteigt, ist die Verkohlung abgeschlossen. Bei zu starker Gasent-wicklung beginnt der Meiler zu klopfen, im Extremfall kann er explodieren. Die Verkoh-lung von 120 Ster Holz dauert 10 bis 15 Tage. Ausbeute sind etwa 12 Tonnen Holzkohle (15 % des Holzgewichtes).

Herkunftswörterbuch:
Meiler bedeutet „zum Verkohlen bestimmter Holzstoss“
Das Wort stammt vermutlich vom Lateinischen milarium (= Anzahl von tausend Stück) ab.
kohlen: schwelen, Kohlen brennen
bekohlen: mit Kohlen versorgen
verkohlen: zu Kohle verbrennen
Der Köhler (vom Mittelhochdeutschen koler und köler) ist der Kohlenbrenner.
weiterer Begriff: Atommeiler

Weitere Informationen:
Historisches Lexikon der Schweiz: www.lexhist.ch/externe/protect/textes/d/D14031.html